Rauchverbot

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David Rollik von ddp hat mich auf seinen Artikel “Zigarrenlounge am Hauptmarkt vor dem Aus” aufmerksam gemacht, der u.a. in der Nürnberger Zeitung erschienen ist. Er schreibt:

“Christine Klever lässt sich tief in den roten Ledersessel fallen. Ihr Blick schweift müde durch ihre kubanische Zigarrenlounge am Nürnberger Hauptmarkt. Die vergangenen Tage haben ihr arg zugesetzt. Anfang 2006 hat sie die »Casa del Habano» eröffnet, ein schnell deutschlandweit geschätztes Refugium für Zigarrenraucher. Mit dem in einem Volksentscheid beschlossenen absoluten Rauchverbot in Bayern steht nun Klevers Existenz und die von sechs Angestellten und zwei Auszubildenden auf dem Spiel.”

Am Schluss des besagten Artikels sind dann aber durchaus auch optimistische – und unerwartete – Aussagen zu lesen:

“Hoffnung macht der Zigarrenlounge-Inhaberin ausgerechnet der Initiator des »Volksbegehrens für echten Nichtraucherschutz», Sebastian Frankenberger (ÖDP). Man müsse zunächst abwarten, wie die Ausführungsbestimmungen des Gesundheitsministeriums für das neue Gesetz ausfallen, sagt er. Außerdem sei es auch durchaus möglich, dass für Zigarrenlounges und Wasserpfeifenbars eine Ausnahmegenehmigung über das Gaststättengesetz erteilt werde. Damit hätte Frankenberger nach eigenem Bekunden kein Problem. »Ich kenne Frau Klever recht gut», berichtet er. »Ich drücke ihr auch die Daumen, dass das klappt.»”

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Spiegel Online (“Nichtraucherlobby auf dem Vormarsch – Die Diktatur der radikalen Biedermänner“) setzt einen Kontrapunkt zum derzeitigen Standardgeschreibsel und hält unter anderem fest:

“Dem strikten bayerischen Rauchverbot werden rasch weitere in anderen Bundesländern folgen – die neue, regierungserpichte rot- grüne Frauengruppe in Düsseldorfer hat sich ja schon gemeldet – und schon bald wird ganz Deutschland weitestgehend qualmfrei sein.

Auf dem Balkon vielleicht, wenn keine Kinder unten vorbei gehen, darf der Tabaksüchtige dann noch rauchen. Allenfalls. Nach dem erfolgreichen Kampf gegen den volksschädlichen und auch individuell nicht eben gesundheitsförderlichen Tabak stehen die nächsten Schlachten auf dem langen Marsch in die Gesundheits- und Klimaschutz-korrekte Gesellschaft an (…).”

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Eigentlich logisch: “Nichtraucher wollen Bayern zum bundesweiten Vorbild nehmen“, titelt Welt Online und schreibt:

“Die Nichtraucher-Initiative Deutschland appellierte an die Politik-Verantwortlichen in den anderen Bundesländern, dem bayerischen Beispiel zu folgen und ebenfalls in der endlosen Raucherdebatte reinen Tisch zu machen.”

Und dann noch ein gehöriger Schuss Zynismus:

“Die neue bayerische Rechtslage sei eine gute Basis für das weitere Motto „leben und leben lassen“, sagte Krause. Denn schließlich werde das Rauchen nicht verboten, sondern nur ins Freie verlagert.”

Wenn selbst Raucherclubs nicht mehr rauchen dürfen, hat das mit “leben und leben lassen” überhaupt nichts mehr gemein. Dann geht es vielmehr um “bevormunden und bevormunden lassen” – aber ohne jeden Zweifel jetzt.

Nun, heute Mittag habe ich mit einem Bankerkollegen eine Partagas Série D Nr. 4 am See geraucht. Auf die Frage, was er vom Resultat in Bayern und der Forderung nach entsprechend rigider Verbotshaltung in ganz Deutschland halte, meinte er trocken: “Gäbe es Aktien der wichtigen Akteure, würde ich short gehen.” Hoffen wir mal, dass er sich deftig verspekulieren würde.

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Ich wollte mich aus der Rauchverbotssache künftig eher raushalten, auf die sehr interessante Übersicht “Rauchverbot in Bayern – Showdown im Wahllokal” der Süddeutschen verweise ich aber gerne. Folgende Fragen werden beantwortet:

Kurz: Was geschähe, wenn sich die Rauchgegner durchsetzen würden?

“Es würde also ein ausnahmsloses Verbot in Gaststätten, Discos und Tanzlokalen gelten. Das betrifft auch die bislang extra ausgewiesenen Nebenräume, in denen Rauchen erlaubt war. Gleiches gilt für Bier- und Festzelte sowie für alle öffentlich zugänglichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Raucherclubs (…) würde es somit künftig nicht mehr geben. Denn auch der Umweg über die Einrichtung einer geschlossenen Gesellschaft wäre dann per Gesetz nicht mehr zugelassen.

Ganz wenige Ausnahmen sind dann noch erlaubt: Psychisch Kranke etwa dürfen weiter in den Kliniken in speziellen Raucherzimmern rauchen.”

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Spiegel Online schreibt im Artikel “Schwarzenegger verhindert Rauchverbot am Strand“:

“Menschen in Kalifornien dürfen auch in Zukunft am Strand und in Parks rauchen: Der Gouverneur des US-Bundesstaats, Arnold Schwarzenegger, legte sein Veto gegen ein geplantes Gesetz ein, das Rauchen an diesen öffentlichen Orten verbieten sollte. Dies sei ein “unzulässiger Eingriff in das Privatleben der Bürger”, erklärte Schwarzenegger am Montagabend zur Begründung.”

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… titelt die Weltwoche ein Interview mit Heinrich Villiger anlässlich des heutigen Inkrafttretens des schweizerischen Rauchverbotes. Die Weltwoche hat mir das nicht frei einsehbare Interview freundlicherweise zur Verfügung (Download PDF, 130KB) gestellt. Ein Auszug:

“Gerade auf öffentliche Personen ist der Druck der WHO unglaublich. Neu will sie, dass prominente Personen, die öffentlich rauchen, angezeigt werden. Sie hat sogar Roger Federer geschrieben, dass er nicht mehr bei den Swiss Indoors in Basel auftreten soll, weil das Turnier von Davidoff gesponsert werde. Federer hat zum Glück nicht darauf reagiert. (…)

Ich treffe regelmässig Politiker, die unbedingt mit mir eine Zigarre rauchen wollen. Ich sage dann jeweils: Am Montag gehst du wieder ins Parlament und kämpfst dagegen. Dann werden sie immer sehr kleinlaut und sagen, die Mehrheit sei halt dagegen. (…)

Nach langem Lobbyieren bekam ich einmal einen Termin bei ihm [Ex-Bundesrat und Gesundheitsminister P. Couchepin]. Er hat sich aufgeführt wie Louis XIV. Als ob ich nicht dagesessen hätte, fragte er seinen Gesundheitsexperten: «Sind Zigarren auch gesundheitsschädlich?» – «Natürlich, Herr Bundesrat.» – «Was kann es da für Krankheiten geben?» – «Zungen-, Lippenkrebs etc.» – «Wie viele Fälle sind es im Jahr?» – «Das wissen wir nicht, Herr Bundesrat.» Da musste ich natürlich lachen, es stand eins zu null für mich. Couchepin sagte dann bloss, wenn in allen Ländern diese Gesundheitsvorkehrungen in Kraft treten würden, dann könne die Schweiz keine Insel bleiben.”

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Irgendwie mag man alle diese Meldungen zum Eidgenössischen Rauchverbot, das ab 1. Mai Gültigkeit haben wird, nicht mehr lesen. Item, beim Cigar Blog habe ich heute den Hinweis auf den Bilanz-Artikel “Fumoirs: Rauchzeichen” gelesen, via Google Alerts wurde ich auf “Ein Rauchverbot, das keines ist” im Tages Anzeiger aufmerksam gemacht, unter dem Stichwort “Raucherdebatte” habe ich alle thematisch relevanten Tagi-Artikel gefunden und via Google News bin ich auf den Artikel “Die Rauchverbote verbreiten sich: Wie sich der Qualm aus Europa verzieht” von SR DRS mit folgender Passage gestossen:

“Not macht erfinderisch, oder verrückt nach Kultur: In Norwegen gilt zwar ein Rauchverbot, doch bei Events darf man weiterhin rauchen. Das führte dazu, dass Norwegens Kulturleben bereichert wurde, die Agenda ist voll von Dichterlesungen und Vernissagen.

Besonders skurril ist die Situation in Hollands Coffee Shops. Die Gäste dürfen sich zwar noch Joints anzünden – diesen jedoch keinen Tabak beimischen. Keine Grenzen gibt es für Raucher in Ungarn: Dort darf selbst im Kino noch gequalmt werden.”

Ich beschränke mich diesbezüglich künftig vor allem auf die Berichterstattung über zigarrenfreundliche Lokale in der Schweiz Schweiz und in Deutschland. Gerne wiederhole ich in diesem Zusammenhang die Bitte, zigarrenfreundliche Lokale oder nicht-mehr-zigarrenfreundliche Lokale mitzuteilen, damit ich die Verzeichnisse im Cigar Wiki zu Gunsten der Genussraucher nachführen kann.

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Zeit Online hängt den Artikel “Der Nikotinkrieg” am Rauchverbot in Österreich auf, dringt bis in Osmanische Reich vor, sinniert über das Rauchen während der Belle Époque, spielt in Hollywood und schliesst mit der Feststellung:

“Der Genussmensch, der seinen Gedanken im sich kringelnden, kräuselnden Rauch eine Auszeit gönnt, passt nicht mehr in eine Zeit, in der Freiheit und Individualität von steriler Gleichförmigkeit und Verordentlichung eingeengt werden. Der Raucher muss (wieder einmal) seiner Sucht entwunden werden. Andere Vergnügen stehen bereits zur Heilung an. »Pass bloß auf, Zoyd«, lässt Thomas Pynchon eine Figur in seinem 1990 erschienenen Roman Vineland räsonieren. »Wird nicht mehr lange dauern, dann sind sie hinter allem her, nicht nur Drogen, sondern auch Bier, Zigaretten, Zucker, Salz, Fett – was du willst. Alles, was auch nur entfernt geeignet ist, die Sinne zu erfreuen, müssen sie kontrollieren. Und sie werden es kontrollieren.«”

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… titelt der Tages Anzeiger und schreibt:

“Die Mehrheit der Zürcher Lokale wird wohl ganz rauchfrei. In Winterthur erhielt das Baudepartement gerade mal 15 Gesuche für den Bau eines Fumoirs – das obwohl in dieser Stadt rund 200 Bars, Cafés, Clubs und Restaurants auf Gäste warten.”

Ich werde versuchen, das Verzeichnis zigarrenfreundliche Lokale aktuell zu halten. Das ginge umso besser, wenn allfällig festgestellte Änderungen mitgeteilt würden. Einfach schnell eine E-Mail schreiben oder direkt im Cigar Wiki editieren.

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… titelt der Tages Anzeiger und schreibt über eine Veranstaltung der IG Freie Schweizer Wirte an der auch Heinrich Villiger teilnahm:

“(…) So will die Lungenliga die Serviceangestellten vor dem Passivrauchen noch besser schützen – mit einer landesweiten Regelung ohne bediente Fumoirs. Über 100′000 Initiativ-Unterschriften hat sie dafür bereits beisammen, wie sie am 25. Februar mitteilte. Just an diesem Tag begann in Bern eine andere Vereinigung mit dem Sammeln von Unterschriften. Sie will zurück zum Start. Dahin also, wo der Wirt entscheiden kann, ob in seinem Lokal geraucht werden darf (…).

Für Eigenverantwortung und gegen mehr Staat plädierte auch der Mann, der neben Herzig Platz nahm. Der Doyen der Schweizer Zigarrenindustrie, Heinrich Villiger. Natürlich spiele von seiner Seite auch Eigeninteresse mit, sagte Villiger. (…) Davon abgesehen störe ihn als Parteiloser aber schon sehr, wie der Staat die Konsumenten bevormunde.”

Im Posting “Schweizer Rauchverbot soll abgeschafft werden” habe ich die Eidgenössische Volksinitiative “Für ein liberales Rauchgesetz” bereits erwähnt.

Nun, gesundheitsfördernd ist Passivrauch bestimmt nicht. Gegen eine freie Wahl der Eigentümer, ob ihre Lokale rauchfrei sein sollen oder nicht, respektive der freien Wahl der Gäste, ob sie diese besuchen wollen oder nicht, dürfte ein freiheitsliebender Mensch ohne Bevormundungsdrang aber eigentlich wenig einzuwenden haben.

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