Auslaufmodell Cigar Lounges?

Ein provokativer Titel fürwahr. Im Zuge der Beiträge “Verzeichnis zigarrenfreundliche Lokale” und “Reaktionen auf zigarrenfreundliche Lokale” hatte ich einige Korrespondenz mit Lesern und gestern eine reale Diskussion mit einem Hotelmanager. Der bevorzugt anonym bleibende Insider erklärte, dass die Zigarrenlounges in der Luxushotellerie grösstmehrheitlich schlecht bis sehr schlecht besucht seien. Er fügte an, dass die Sache selbstverständlich übergeordnet betrachtet werden müsse: So gäbe es Gäste, die ohne Cigar Lounge schlicht nicht buchen würden und auch Imageeffekte seinen zu berücksichtigen. Unter dem Strich aber machten die Lounges ökonomisch kaum Sinn und in der Tat sei vorab in den USA der Trend hin zum Verzicht sehr deutlich erkennbar. Geld und Raum würden für andere, renditeoptimierte Zwecke verwendet. Der Zigarrenkonsum konzentriere sich daher vermehrt auf Clubs und Privaträume.

Im deutschsprachigen Europa geht der Trend derzeit eher in Richtung mehr Cigar Lounges in der Hotellerie. Dass die eine oder andere davon schwach besucht ist, hört man allenthalben. Ich hoffe aber sehr, dass der beschriebene Abbau-Trend bei uns aber nie Realität werden wird. Es ist doch einfach herrlich, in der Lounge eines schönen Hotels eine gute Zigarre zu geniessen. Genusskultur halt.

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  1. Thomas Frei’s avatar

    Naja, dies sind Worte eines (Hotel-) MANAGERS. Ein Gastgeber redet nicht so und wenn, dann nennt er auch seinen Namen. Um es kurz zu sagen: Ein Luxushotel braucht einen Raum für Genussraucher. Punkt. Vielleicht müssen die HotelMANAGER die Zigarren – so sie denn welche anbieten – zu gleichen Preisen wie im Fachhandel anbieten. Man kann nicht mit einem Aufschlag von 30 und mehr Prozenten arbeiten. Selbst Genussraucher rechnen. Die “Unkosten” werden durch die Getränke eingenommen. Nur weil in den USA ein Rauch-Verzicht erkennbar sein soll, ist dies noch kein Grund, auf eine Fumoir zu verzichten.

    Übringes: in den wenigsten Wellness Hotels rendiert die Wellness Abteilung.

  2. Aficionado’s avatar

    … stimme 100prozentig zu. Die wohl wirklich starke Tendenz in den USA auf Lounge-Verzichte hat mich aber schon etwas erstaunt, wenn nicht gar “erschüttert”.

    Beste Grüsse, A.

  3. Clubcigarren’s avatar

    Der Manager hat leider Recht! Ich veranstalte in Deutschland jeden Monat etliche Smokes und davon die Mehrzahl in sehr bekannten Luxushotels (z.B. Steigenberger Frankfurter Hof, Hotel Atlantik Hamburg, Mandarin Oriental München). Diese Lounges rechnen sich alle nicht und werden quer subventioniert. In der Tat haben diese Hotels die Loungen im Moment “noch” als Prestige.

    Die Überwiegende Neueröffnung von sogenannten Loungen fällt unter die Marketingaktivitäten der Fa. Davidoff. Diese versucht sich Präsenz und Marktanteile zu sichern und seinen vermutlich größten Wettbewerber Habanos/5th Avenue die besten Lokalitäten zu entreißen. Dies geschieht mit Geld, welches aus den Parfümverkäufen stammt.

    Thomas Frei hat Recht mit dem Argument, dass ein Aufschlag auf die Cigarren viele Genußraucher abhält in den Loungen zu verweilen. Im übrigen ist es in Deutschland gesetzlich geregelt wie viel Aufschlag genommen werden darf. Es sind exakt 10% und das nur dann, wenn der Kellner die Cigarre zum Tisch bringt, dort anschneidet und entzündet und auch nur dann, wenn der Kellner den Aufschlag selber behalten kann.

    Es ist auch richtig, dass eine Lounge das Geld mit dem F& B Umsatz macht und nicht mit der Cigarre.

    Das Problem sind WIR, die Aficionados. Der Cigarrenraucher ist im Gegensatz zum “gemeinen” Zigarrettenraucher meist von guter Bildung und in einer gehobenen Position tätig. Berufsbedingt ist er viel unterwegs und kann z.B. meist nicht regelmäßig an Smokeevents teilnehmen. Dies führt zu einem unsteten Besuchsverhalten.

    Auch besteht eines der Probleme darin, dass die Aficionados zum größten Teil nur dann in Scharen bei Smokes auftauchen, wenn es Gratisverkostungen gibt. Was haben da die Hersteller davon!? Auch herrscht große Aufregung (manchmal auch zu recht) wenn man mitgebrachte Cigarren nicht oder gegen einen Aufschlag rauchen darf.

    Im Gegenteil dazu stehen gut besuchte private Events. Meist in freundlicher Atmosphäre und mit knapp kalkulierten Preisen für das Beiwerk (Getränke, Essen, Themenabende).

    Es wird stetig verlangt, dass der Veranstalter interessante Themen und Gäste bringt. Doch auch die gibt es zunehmend nicht umsonst.

    Ein kleines Beispiel:

    Ich veranstalte einen monatlichen Smoke im Meilenwerk Stuttgart. Gastgeber ist neben meiner Wenigkeit der älteste Morgan Importeur Deutschlands. Für die Nutzung einer wunderschönen Lounge dort wird von uns eine Miete von 300€ verlangt. Wir müssen dazu auch noch Getränke besorgen die wir 1 zu 1 weiter berechnen. Ich reise aus Dortmund (ca. 450 km) an. Das verursacht hin und zurück neben Zeit auch Sprit und Abnutzung des PKW. Auf eine Übernachtung verzichte ich aus Kostengründen meist auch. Rechnen wir mal pro km 0,36€, dann habe ich nur an Sprit 324€ Kosten!

    Meist sind wir so um die 12 – 15 Personen. Einschließlich der Gastgeber.
    Zum Smoke bringe ich ca. 60 Sorten/Formate an Cigarren aus allen Ländern mit. Die Preisspanne reicht dabei von 3€ bis rauf zu 50€. Die meisten rauchen ca. 2 – 3 Cigarren in ca. 4 Stunden. Durchschnittlich sind das pro Person ca. 30€ Umsatz. Wohlgemerkt Umsatz und nicht Gewinn! Der eine oder andere kauft auch noch Cigarren zu regulären Preisen ohne Aufschlag ein. Das sind dann vielleicht bei 5 oder 6 Gästen noch einmal 50€ pro Person.
    Wir reden also von einem Umsatz an dem Abend von ca. 690€!

    Sie werden sich sicherlich fragen, wieso macht der das? Sicherlich nicht unter der Betrachtung, dass sich der einzelne Event jedes mal lohnt. Man muss das gesamte Jahr betrachten. Denn vielfach finden sich neue Kunden, die einen Humidor oder ein Befeuchtungssystem kaufen, die für Ihre Firma oder als Geschenk Cigarren mit eigenem Logo kaufen. Dann macht es Sinn und lohnt sich. Bislang hat es sich gerechnet aber die Garantie gibt Ihnen niemand.

    Besonders betrüblich finde ich dann auch die zunehmende Unsitte der Anmeldung und des dann nicht Erscheinens! Dies kommt immer wieder und in zunehmenden Maße häufiger vor. Man fährt 450 km und statt vielleicht 20 angemeldeter Personen erscheinen nur 8! Was ist das für ein Verhalten!?

    Auch erfahre ich durch die Vielzahl an Gesprächen etwas über die Vorlieben und Kaufgewohnheiten der Aficionados. Und diese Vorlieben bzw. das Verhalten deckt sich mit dem bereits seit längerem bekannten Verhalten in anderen Bereichen. Der Aficionado geht zum Händler vor Ort um sich die eine oder andere Cigarre zeigen zu lassen, kauft sie Stückweise und bestellt dann beim Onlinehändler oder fährt zum “Kulthändler” in die Schweiz um ein paar Cent zu sparen. Danke schön für unser Engagement!

    Harte Worte, ich weiß. Aber es ist leider so und es lässt sich nicht beschönigen.

    Ein weiterer Dorn im Auge ist auch die Abstumpfung bzw. das Nicht-Engagement der Aficionados in Sachen Kampf gegen die Rauchverbote. Man denkt vermutlich es wird schon so schlimm nicht kommen. Man ereifert sich in Onlineforen aber letztendlich kämpft keiner für seine Lounge/Händler. Keiner versucht Rauchgegner zu überzeugen!

    Darüber sollte der Aficionado mal nachdenken und etwas tun!

    Und noch ein Wort zum Schluß, wenn ich gesagt habe ALLE, dann meine ich jetzt nicht immer ALLE. Aber man muss schon drastisch schildern damit der Aficionado die Gefahr erkennt, die auf uns alle zukommt. Und das Thema Rauchen ist erst der Anfang – leider.

    Nichts desto trotz werde ich aber (wenn nichts mehr dazwischen kommt) im Sommer Europas größte Cigarrenlounge eröffnen. Mit 1200 qm ein Paradies für Genießer. Mehr in Kürze.

  4. DD’s avatar

    Ich stimme Clubcigarren absolut zu. Wir selbst sind daran schuld, wenn es immer schwieriger wird, eine Lounge oder einen Ort zu finden, in dem man sich in ruhe zu einem Smoke zurückziehen kann.

    Ich bin ebenfalls viel unterwegs und schaue vorab immer ob in der nähe oder in dem Hotel, in dem ich übernachte eine entsprechende Lounge existiert.

    Oft bekommt man mitgeteilt, dass die Lounge nur zu gewissen Uhrzeiten geöffnet hat um die Gourmet-Gäste aus dem Restaurant nebenan nicht zu stören. Das spiegelt die position wider, die Lounges und Raucher im Hoteleriebereich momentan haben. Erst wenn man sich beschwert, bekommt man gehör. Es ist mir selbst passiert, wie Aficionado bereits durch Emailverkehr mit mir erfahren hat.

    Ich möchte demnächst auch einen Event auf die Beine stellen, aber gewiss nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern um gleichgesinnte zu finden, um sich auszutauschen und um der Gastronomie auch zu zeigen, dass solche Events “gehen”.

    Aber nun auch ein positives Beispiel:
    Ich war letztens im Steigenberger Mannheimer Hof auf einen Kuba Abend,
    der Preis lag bei äusserst erträglichen 39,00 € incl. essen trinken und smoke. Man konnte auch seine eigenen Zigarren rauchen, also alles sehr locker, vielleicht auch weil es ein kleiner und privater Kreis war. Und da hatten sich aus Anfänglich angemeldeten 20 Personen, 50 Aficionados eingefunden! Das Hotel war überrascht und hat es zumindest mal angekündigt, diese Veranstaltung zu wiederholen.

  5. Müller P.’s avatar

    Sehr interessante Diskussion und Standpunkte. Ich liebe Genussrauchen, glaube aber, dass wegen weit verbreiteter Taten- und Ideenlosigkeit der Branche und Trägheit vieler Konsumenten die Cigarre wirklich noch mehr aus öffentlichem Leben verdrängt wird.

    Gruss, PM

  6. Clubcigarren’s avatar

    @ Müller P. – absolut richtig. Aber auf der einen Seite auch zu verstehen, zumindest was die Taten angeht.

    Nehmen wir einmal das Beispiel Bayern und die Casa in Nürnberg.
    Eine wunderschöne Lounge die immense Investitionen verursacht hat. Plötzlich wurde das Gesetz geändert und der Inhaber kann im Prinzip zusperren und verliert auf Grund politisch willkürlicher Entscheidung seine Existenzgrundlage.

    Dann – oh Wunder – die Gerichte liberalisieren das Gesetz, das Volk bestimmt die Änderung und es kann weiter gehen. Glück gehabt? Oh Nein!
    Am 4.7.2010 droht durch die Volksabstimmung das komplette aus für Loungen und Raucherclubs. Die Aficionados sind kaum aktiv.

    Wie soll ein Kaufmann bei diesem Hintergrund “Taten” sprechen lassen?

  7. DD’s avatar

    @ Clubcigarren – wie kann denn ein komplettes aus für Clubs und Lounges drohen, bzw. entstehen?? Was kann man denn gegen so etwas unternehmen? Traurige Welt, in der man nicht mal den freien Wunsch haben darf, zu rauchen…

  8. Clubcigarren’s avatar

    @ DD – das Volksbegehren zum Nichtrauchen in Bayern hat es geschafft, 100.000 Unterschriften gegen das Rauchen zu sammeln und kann somit eine Volksabstimmung machen. Perfide ist die Fragestellung um Unterschriften zu bekommen: Sie wollen doch auch nicht das im Restaurtant beim Essen geraucht wird, oder?

    Da unterschreiben auch Raucher. Was nicht gesagt wurde ist: Es sollen auch Raucherclubs und Loungen verboten werden (Angestelltenschutz), das Rauchen in Festzelten und im Freien ebenfalls.

    Fehlt nur noch das das Rauchen zuhause im eigenen Haus verboten wird!

  9. Aficionado’s avatar

    @Clubcigarren. Wir wollen ja nicht den Verbotsteufel an die Wand malen, aber Einschränkungen bezüglich Rauch in den eigenen vier Wänden gibt es u.a. in den USA teilweise bereits: In Mehrparteienhäusern kann Rauchen verboten werden, wenn der Rauch Nachbarn tangiert.

    @DD. Fanatismus steht für die Besessenheit einer Idee. In dem Falle von der Idee, die Mitmenschen vom Rauchen abzuahlten. Da bleiben Toleranz und sinnvolle Freiräume auf der Strecke.

    Beste Grüsse, A.

  10. TechX’s avatar

    Hallo!? Macht ihr jetzt auf Depro? ;-) Gute Zigarren überleben, Menschenskinder aber auch.

  11. Clubcigarren’s avatar

    @ Aficionado – und in Schweden wurde einem Raucher das Rauchen auf der Terasse seines Einfamilienhauses gerichtlich verboten! Der Qualm zog auf des Nachbarn Grundstück …

    @ TechX – Warum Depressiv? Würde ich sonst den Wahnsinn einer Riesenlounge angehen? Ich glaube man muß den Aficionados dieser Welt mal sagen, das die Cigarren zwar überleben, aber wir wollen Cigarren LEBEN! Und zwar bewußt.

    Und dafür müssen wir alle den A…. heben und etwas tun. Geht zu Smokerabende, sorgt für Umsatz. Geht in Hotellungen und raucht eine Cigarre aus dem Humidor. Sch… auf die 0,50€ Aufpreis, dafür gibts Ambiente. Geht zu eurem Händler, lasst euch beraten und kauft die Kiste dort.

    Wir eröffnen heute mit einem BBQ die Outdoor-Smokes und die Sonne lacht!

  12. DD’s avatar

    Ich stimme Clubcigarren absolut zu, nur jammern hilft nix, jeder muss selbst etwas dazu beitragen…
    @Clubcigarren – wann und wo gibt es info über diese geheimnisvolle Lounge? Bin jetzt neugierig… :)