Von Frauen-Zigarren und starkem Männer-Tobak

Unter anderem im Beitrag “Neue Havanna-Zigarren 2010” habe ich das künftige spezifische Frauenforomat Romeo y Julieta Julieta erwähnt.

(Bildquelle: Habanos S.A.)

Habanos S.A. schreibt dazu, dass es sich um eine aus bestem kubanischem Tabak aus Vuelta Abajo gefertigte Vitola handle, welche den Frauen gewidmet sei. Den Frauen ganz allgemein und insbesondere auch den Frauen, die im Tabakanbau und bei der Zigarrenfertigung eine entscheidende Rolle spielten – und das sind viele. Die “Julieta” wurde am Festival del Habano Ende Februar präsentiert und sorgte für einige Skepsis und Aussagen, wonach Zigarren rauchende Frauen – und auch davon gibt es viele – die Standardformate liebten und kaum auf eine spezielle Frauen-Vitola umsteigen würden. Dieses Gefühl stützt mitunter auch die im Beitrag “What Do Women Want?” zitierte Essenz einer Umfrage:

“24 Prozent der befragten Frauen fühlen sich mächtig, 25 Prozent attraktiv, 15 Prozent stark, 43 Prozent fröhlich und 22 Prozent rebellisch, wenn sie eine Zigarre geniessen. Bei den Männern waren diese Werte sehr viel tiefer. Demgegenüber fühlen sich 97 Prozent der befragten Männer friedvoll beim Zigarrengenuss, bei den Frauen sind das lediglich 76 Prozent.”

Aber auch schon bei der Einführung der Montecristo Open-Linie war die anfängliche Skepsis übergross, die Lancierung entpuppte sich dann aber als Riesenerfolg (s. unter anderem “Deutschland steigert 2009 den Havanna-Absatz“). Mal sehen, wie sich das erste frauenspezifische Havanna-Format schlagen wird.

Demgegenüber feierten an besagtem Festival del Habanos aussergewöhnlich kräftige Zigarren grosse Erfolge. Über die neue Superpremiumlinie von Cohiba, mit der BKH 56, 54 und 52, wurde schon viel geschrieben. Ich durfte das Flagschiff davon testen und kann nachvollziehen, dass einige Kommentatoren von flauem Gefühl im Magen und Kribeln unter der Schädeldecke gesprochen haben. Insbesondere die Zugabe von “Medio Tiempo” in der Einlage (s. auch “Christoph A. Puszkar zur Cohiba Behike“) sorgt für eine sehr kräftige – aber absolut hervorragend schmeckende – Mischung. Auch die Edicion Regional 2010 Ramón Allones Exclusivo Alemania, die ich vor einigen Tagen testen durfte, ist herrlich und überdurchschnittlich kräftig.

Vielleicht markierte die Montecristo Open den Höhepunkt von eher leichten Havannas und uns steht das Comeback  von kräftigeren Exemplaren bevor. Es sei höchste Zeit, dass wieder “Zigarren für richtige Kerle” kreiert würden, flachste ein Kollege gestern bei der Diskussion über die Thematik. Trotz Schmunzeln war im Kern reales Wunschdenken zu vernehmen. Bis vor 20 Jahren hätten die Havannas durchs Band kräftiger Mischungen geboten, meinte der erfahrene Aficionado. Seiner Meinung nach, und die habe ich mehrfach schon gehört, seien die Mischungen zwischenzeitlich durchwegs leichter geworden. Er tippt auf anfängliche Marketingüberlegungen wider den Mythos von ausschliesslich kräftigen Havannas, der sich dann verselbstständigt und auf alle Labels übergegriffen habe.

Nun, das ist Spekulation. Aber offensichtlich wird der Trend zu immer leichteren Zigarren zumindest unterbrochen und Habanos S.A. lanciert nun dezidiert wieder stärkeren Tobak. Ich kann mir vorstellen, dass viele Aficionados – und auch Aficionadas – glücklich wären, wenn die einst für kräftige Mischungen berühmten Labels wie Partagas, Bolívar, Saint Luis Rey und Co., ihrem Ruf wieder gerecht werden würden. Wir werden es erfahren.

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  1. Micha’s avatar

    Wünschenswert wäre es auf jeden Fall, wenn manch kräftigere Habano auf den Markt käme. Ohne hier zuviel Eigenwerbung machen zu wollen, erlaube ich mir dazu auch noch einen Verweis auf meinen Tastingbericht zu besagter “Edición Regional 2010 Ramón Allones Belicoso Exclusivo Alemania” bei AOS: http://bit.ly/cRnK6O

    Beste Grüße,
    Michael

  2. Aficionado’s avatar

    Hallo Micha, nur zu mit Werbung ;-) Obwohl ich ja den letzten Satz nicht nachvollziehen kann. Ok, die Edición Regional 2010 Ramón Allones Belicoso Exclusivo Alemania ist eine super Zigarre, vom unglaublich facettenreichen Geschmackserlebnis einer Cohiba Behike 56 bleibt sie meines Erachtens aber um Klassen entfernt.

    Beste Grüsse, A.

  3. Micha’s avatar

    Die Diskussion hatte ich ja schon kürzlich mit einem gemeinsamen Bekannten ;-)

    Man muss den Satz bis zum Ende lesen und da bleibe ich dabei, dass mir in der einen Woche auf Kuba (!) die RAB am besten im Gedächtnis geblieben ist – mir sogar den größten Genuss verschafft hat. Mit Sicherheit haben die jeweiligen Rahmenbedingungen ihren maßgeblichen Anteil gehabt. Die RAB rauchte ich z.B. im Vergleich zur angeführten Behike deutlich konzentrierter und in ruhigerer Umgebung. Die Geschmackseindrücke waren daher auch ganz andere. Mein abschließendes „Votum“ stellt somit, wie ich auch deutlich schreibe, nur eine Momentaufnahme dar. Nach lediglich einer Zigarre kann so etwas ohnehin nicht in Stein gemeißelt sein.

    Beste Grüße, Michael

  4. Aficionado’s avatar

    Eine AoS-Publikation kommt “in Stein gemeißelt” natürlich schon recht nahe ;-)

    Schönes Wochenende und ebensolche Smokes wünsche ich, A.

  5. Micha’s avatar

    Natürlich nur, solange der Server nicht streikt :-) Wobei Dein Blog ja nicht besser ist! Aussagen die man hier leichthin z.B. zum Zigarrenkonsum von Churchill trifft, werden ja auch immer wieder fleißig hervorgezogen ;-)

    Frohes Genießen!
    Michael

  6. Aficionado’s avatar

    … Churchill’s Lieblingszigarren: Einem juristisch gebildeten Aficionado wird man diesbezüglich ja wohl Glauben schenken dürfen ;-)

    Beste Grüsse, A.

    Ps. Hoyo de Monterrey Double Coronas gemäss M. Schneider (Micha)

  7. Micha’s avatar

    Ich frage mich, wo Du jetzt die Informationen über meine juristisch Bildung wieder her hast – naja nicht wirklich ;-)

    Was nun die Lieblingszigarre des Herrn W. Churchill angeht, so habe ich noch eine ganz abweichende Meinung gefunden: La Aroma de Cuba. Das sage aber nicht ich! Das sagt der „Gourmet an Cigar Club“ hier http://bit.ly/ddEKW0 (PDF).

    Grüße, Michael