Es ist manchmal schon ärgerlich, wenn man Insiderkenntnisse braucht, um ein zigarrenfreundliches Lokal zu finden. Aber im Gegensatz zu früheren Zeiten sind die derzeitigen Rauchverbotsauswirkungen als milde zu bezeichnen. Anbei ein Auszug aus der Rezension zu “Tobacco in Russian History and Culture. From the Seventeenth Century to the Present”1 bei H-Soz-u-Kult:
“Am Anfang stand das Verbot des Tabaks im 17. Jahrhundert. Dieses dauerte im Moskauer Reich 70 Jahre an. Grund für diese ungewöhnlich lange Dauer war, so Matthew P. Romanello („Muscovy’s Extraordinary Ban on Tobacco“), das Zusammenspiel der religiös-moralischen Abneigung der Herrschenden gegen jenes „ketzerische“, als protestantisch-calvinistischer Import verachtete Produkt und der Unfähigkeit des Staates, daraus ökonomischen Profit zu schlagen. Gleichzeitig befürchteten die Herrscher eine Verarmung der Untertanen durch das neue Suchtmittel. Im Gefolge des Verbots florierte allerdings der mit hohen Strafen belegte Schmuggel und illegale Handel. Die „Uloschenie”, der Strafkodex von 1649, enthält 11 Paragraphen zur Beschränkung des Tabakhandels; die Strafen hierfür reichen von Knutenhieben und dem Ausreißen der Nasenflügel bis hin zur Todesstrafe. Zunächst war es nur der Staat, der sich einer „Überfremdung“ der Untertanen durch das neue Produkt entgegenstellte. Die orthodoxe Kirche begann erst Ende des 17. Jahrhunderts, den Tabakkonsum als Sünde aufzufassen (…)”
Heute ist der russische Markt höchst interessant. Im Summary der aktuellen (und kostenpflichtigen) Studie “Tobacco in Russia” von Euromonitor International wird festgehalten, dass der Trend hin zu Premium-Tabakprodukten trotz der Finanzkrise ungebrochen sei.
1 Sonja Margolina: Rezension zu: Romaniello, Matthew P.; Starks, Tricia (Hrsg.): Tobacco in Russian History and Culture. From the Seventeenth Century to the Present. London 2009, in: H-Soz-u-Kult, 17.02.2010, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-1-121>
Schlagworte: Historisches

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