Juni 2009

Sie durchstöbern gerade das Archiv vom Juni 2009.

  • Keine Tabakwerbung im Umkreis einiger Hundert Meter von Schulen
  • Tabakreklame nur noch Schwarz-Weiss
  • Inserate nur in Publikationen mit erwiesenermassen mehr als 85 Prozent erwachsenen Lesern
  • Keine Sponsoringaktivitäten von Sport- und Kulturevents
  • Stark eingeschränkte Verteilung von Give-aways wie T-Shirts oder Kappen

Das sind einige Auswirkungen der künftigen Unterstellung der US-Tabakbranche unter die Obhut der Food and Drug Administration (FDA). Im Beitrag “USA: Philip Morris-Strategie geht wohl auf” habe ich darauf  aufmerksam gemacht. Der US-Senat hat den Erlass genehmigt. Barack Obama soll ihn demnächst unterschreiben und in einem Jahr würde die Gesetzgebung entsprechend angepasst. Die New York Times debattiert im Artikel “Tobacco Regulation Is Expected to Face a Free-Speech Challenge” nun über die möglichen Verletzungen solcherlei Bestimmungen gegen das Grundrecht auf Rede- und Meinungsäusserungsfreiheit. Da im Jahr 2001 in Massachusetts ähnliche Restriktionen aufgrund ebendieser Grundrechtsverletzungen wieder aufgehoben wurden, rechnen sich die Gegner der Einschränkungen (Philip Morris gehört nicht dazu) gute Chancen aus:

“Anybody looking at this in a fair way would say the effort here is not just to protect kids, which is a substantial interest of the country, but to make it virtually impossible to communicate with anybody,” Daniel L. Jaffe, executive vice president of the Association of National Advertisers, said in an interview Monday. “We think this creates very serious problems for the First Amendment.”

“Ach die Amis”, wer so denkt, denkt wohl zu kurzfristig. Die Auseinandersetzung wird in ihren Grundzügen wegweisend für die Entwicklung auch in unseren Breitengraden sein.

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Die Geschichte der Havanna-Zigarren ist im Cigar Wiki facetten- und umfangreich beschrieben. Bei Gelegenheit werde ich die Entstehung der Labels noch gesondert aufarbeiten. Die Thematik beinhaltet sehr interessante Aspekte. Kubas Zigarrenindustrie setzte zum Beispiel weltweit Massstäbe in Sachen Werbung (s. auch “Die Einführung der Lithographie“) und Verpackungsdesign (s. “Wer hat’s erfunden – die Bauchbinde?“).

Wer gerne in Englisch liest, findet solcherlei Aspekte bereits heute detailliert beschrieben und bebildert auf der Website des National Cigar Museum. By the way: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren waren Zigarren einfach Zigarren, respektive wurden sie vorab nach Vitolas und nicht nach Labels unterschieden. Nachfolgende Abbildung zeigt eine herrlich verzierte Zigarrenkiste – ohne spezifische Markenbezeichnung.

(Bildquelle: National Cigar Museum)

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Cicero interviewt unter dem Titel “Ein Schweizer Volkswirt in Berlin” Charles B. Blankart. Folgende zigarren- und freiheitsaffine Passage zitiere ich gerne:

“(…) Früher konnte ein Mensch manches tun oder sagen, was heute durch irgendeinen Meinungsführer als politisch inkorrekt erklärt wird – oft nicht weil dadurch ein erheblicher Missstand beseitigt würde, sondern weil sich der Initiator dadurch ein besonders hohes Ansehen zu erwerben glaubt. Er schart eine hinreichende Zahl von Gleichgesinnten um sich und veranstaltet mit diesen ein virtuelles Scherbengericht gegen eine Minderheit, die dadurch als politisch unkorrekt gebrandmarkt wird. Als Nichtraucher wundere ich mich immer, welchen Einschränkungen sich die Raucher unter dem Diktat der Nichtraucher unterziehen müssen. Einst war eine Zigarre (anders als eine Zigarette) etwas Vornehmes mit edlem Duft, ähnlich wie Weihrauch in der Kirche. Heute ist Weihrauch nach wie vor erlaubt, aber die Zigarre ist verboten. Warum eigentlich? Ein Heer von Mitmenschen fühlt sich berufen, die Raucher mit ihren Blicken zu ächten. Dass Raucher viel Steuern bezahlen und überdies die Rentenversicherung schonen wird hierbei verschwiegen.”

Vor gut 2 Jahren schrieb ich damals im Cigar Blog-Beitrag “WAMS-Breitseite gegen Zigaretten-Strategen” über Hans Bewersdorffs (leider abgesetzte) Rauchzeichen “Zigarren unschuldig unter Anklage“, respektive über das Ansinnen von Philip Morris International (2008 von der Altria-Gruppe abgespalten) für die Gleichbesteuerung von Tabakprodukten im EU-Raum.

Der heutige Wallstreet Journal-Artikel “Long Fight Over Tobacco Regulation In Last Round” (online nicht frei verfügbar) handelt zwar von den Bestrebungen, Tabakprodukte in den USA künftig unter die Obhut der gestrengen Food and Drug Administration (FDA) zu stellen, trägt im Kern aber eine verwandte strategische Grundüberlegung wie damals. Wallstreet Journal schreibt:

“Passage of the tobacco legislation will mark a big victory for Altria Inc., parent of Philip Morris USA [Anm.: gehört noch zur Altria-Gruppe], because it includes new restrictions on advertising and packaging that will make it difficult for other companies to gain attention for their brands.”

Also: Geht das Gesetz (wahrscheinlich heute) durch den US-Senat, profitiert Philip Morris USA durch die Tatsache, dass die FDA-Unterstellung massive Werbeeinschränkungen mit sich ziehen und die Rolle des Branchenprimus damit zementieren wird. Dies, weil er schon bekannt ist und die kleineren Marktteilnehmer demgegenüber viel schlechtere Möglichkeiten haben werden, sich bekannt zu machen, respektive für sich und ihre Produkte zu werben.

Laut der Strategie-Definition von Hermann Simon ein stimmiges Vorgehen von Altria und Philip Morris:

“Strategie ist die Kunst und die Wissenschaft, alle Kräfte eines Unternehmens so zu entwickeln und einzusetzen, dass ein möglichst profitables, langfristiges Überleben gesichert wird.”

Das wäre nun eine tolle Diskussiongrundlage für einen Ethik-Blog ;-)

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… mit einer Bolívar Royal Corona. Da bleiben wenige Wünsche offen.

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Die legendäre Villa, respektive die gleichnamige, auf die Cohiba-Produktion spezialisierte Manufaktur ”El Laguito” war im Blog unter anderem im Zusammenhang mit dem Chefroller auf Deutschlandtour, dem Trindidad-/El Laguito-Missverständnis und natürlich dem perönlichen Treffen mit Fidel Castros Ex-Lieblingsrollerin erwähnt. Das neueste Cigar Journal von 5THAVENUE Products Trading GmbH porträtiert im Rahmen der Serie “Geschichte der kubanischen Manufakturen“ nun “El Laguito“. Ein kurzer Auszug (im Cigar Wiki in voller Länge zu lesen):

“(…) Das villenartige Gebäude, das in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderst erbaut wurde, war ursprünglich der herrschaftliche Besitz des Zuckerbarons Casimiro Fowler Jimenez. Kurz nach der Revolution in Cuba im Jahre 1959 verließ er das Land. Seine Villa stand leer und wurde 1966/67 zu einer Cigarrenmanufaktur umfunktioniert und damit zur Wiege der ersten nachrevolutionären, staatlich eingeführten Marke. (…)

Der in El Laguito verarbeitete Tabak war immer der beste aus der Vuelta Abajo. Denn da Fidel Castro ein ausgewiesener Cigarrenliebhaber war (schon während der Revolution, in der Sierra Maestra, richteten die Revolutionäre an ihren jeweiligen Standorten, gleich nachdem sie die Versorgung mit Lebensmitteln organisiert hatten, auch eine mobile Cigarrenfabrik ein), gönnte er sich den Luxus ganz besonderer Cigarren. Die Ligero- und Seco-Tabake für die Cohibas wurden von Anfang an statt einer zweimaligen Fermentation einer weiteren dritten unterzogen, was zu einem noch weicheren und runderen Geschmack beitrug.”

(Bildquelle: 5THAVENUE Products Trading GmbH)

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… zu lesen unter anderem bei NZZ Online (“Spione Kubas im US-Aussenministerium enttarnt“):

“(…) Nach Darstellung der Behörden begann die Geschichte 1978, als das Ehepaar Myers nach Havanna reiste und dort, so geht offenbar aus Tagebucheintragungen hervor, über «amerikanischen Imperialismus» aufgeklärt wurde. Kuba erschien ihnen als soziales Paradies, und sie erklärten sich bereit, Spionagearbeit zu leisten. Walter Myers, zunächst als Instruktor des State Department tätig, machte Karriere und wurde Analytiker in der Geheimdienst-Abteilung. 1985 erhielt er die Genehmigung für die höchste Geheimhaltungsstufe.”

Der Tages Anzeiger zitiert diesbezüglich die rethorische Frage “Finden Sie nicht auch diese Geschichte ziemlich lächerlich?” von Fidel Castro und schreibt:

“(…) «Komisch ist vor allem, dass die Informationen über die Festnahme 24 Stunden, nachdem die USA eine diplomatischen Niederlage erlitten haben, verbreitet wurde», schrieb Castro mit Blick auf die Entscheidung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Kuba wieder in ihre Reihen aufzunehmen und damit den mehr als vier Jahrzehnte langen Ausschluss des kommunistischen Staates zu beenden.

Zugleich bestritt der Revolutionsführer nicht den Inhalt der Vorwürfe gegen das US-Paar. Dieses verdiene seiner Meinung nach «alle Ehre der Welt».”

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Forbes, nicht eben ein Allerwelts-Wirtschaftsmagazin, setzt sich im Artikel “The Economic Impact On Smoking Bans” mit den ökonomischen Auswirkungen der Rauchverbote auseinander.

Kurz zusammengefasst: Von über 100 auf die USA bezogenen Studien basiere der grosse Teil auf fraglichen Messgrössen. So würden zum Beispiel Umsätze mit sehr kurzem Zeithorizont vor und nach Einführung der Verbote zu Rate gezogen. Daraus resultierten u.a. Aussagen, wonach die Einführung der Rauchverbote gar zu einer wirtschaftlichen Besserstellung der Gastgewerbebetriebe führe. Betrachte man die Situation aber längerfristig und unter Einbezug weiterer Messgrössen wie Börsenkurse tangierter Unternehmen, dann sei eindeutig erkennbar, dass die Rauchverbote ökomonisch negativen Impakt und Arbeitsstellenabbau generierten. Es werden weitere Auswirkungen erwähnt, wie zum Beispiel Umsatzverschiebungen von rauchverbotstangierten Unternehmen zu befreiten wie Cigar Lounges, die sich unter dem Strich ebenfalls negativ auswirken würden. Zu beachten sei insbesondere auch die Situation der direkten Branchensegmente wie Tabakanbau, Manufakturen und Fachhandel.

Gesundheitliche Aspekte werden in besagtem Artikel nicht ausgeblendet. Forbes hält Politiker aber dazu an, sich nicht auf einseitige Studien zu verlassen, sondern die Auswirkungen von Verboten eingehend und ausgewogen zu analysieren.

Amerikanische Staaten wollen Kuba wieder aufnehmen“, titelt Spiegel Online und schreibt:

“(…) Nach jahrzehntelangem Ausschluss hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) überraschend den Weg für eine Wiederaufnahme Kubas frei gemacht. Bei ihrem Jahresgipfel im honduranischen San Pedro Sula stimmten die OAS-Staaten am Mittwoch für die Aufhebung der 1962 gefassten Resolution zur Aussetzung von Kubas Mitgliedschaft. Die USA begrüßten den Schritt, erwarten von Kuba aber die Einhaltung der Menschenrechte.”

Der Grundsatzentscheid und die nächsten Schritte des Wiedereingliederungsprozesses müssten nun von der kubanischen Regierung ausgehen. Laut Spiegel Online war Kuba damals auf Druck der USA wegen seiner “marxistisch-leninistischen” Wende aus der OAS verbannt worden.

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Auf der Diskussionsseite der Wiki-Page Tabakanbau fragt User(-in) “DieNeu”:

Pestizide beim Tabakanbau. Hallo zusammen, ich war kürzlich auf Kuba und habe die Zigarrenfabrik in Pinar del Rio besucht. Die sehr nette und auskunftsfreudige (deutschsprachige!) Führerin sagte auf die Frage, ob Pestizide beim Tabakanbau verwendet werden: natürlich! Das sei normal und üblich. Meine Frage ist: wie schädlich sind diese Pestizide und gibt es Zigarrentabake die ohne dieselben d.h. “ökologisch” angebaut werden?”

Gerne reiche ich die Frage an die Profis weiter. Die Antworten können direkt auf der Diskussionsseite, hier im Blog als Kommentar oder via E-Mail (ich stelle sie dann ein) gegeben werden.

(Bildquelle: 5TH AVENUE Products Trading GmbH)

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