Im Rahmen der Anreicherung der Wiki-Texte zu Humidor- und Zigarrenlagerung mit dem Fachwissen von Marc André (s. “Humidor, Zigarrenlagerung, Schimmel, Käfer & Co.“) habe ich eben folgende, interessante Passage angefügt:
“Tabak benötige zur Reifung Sauerstoff, und Sauerstoff müsse den Zigarren durch regelmässiges Lüften zugeführt werden. Zudem gäben die Zigarren Gase an die Umgebungsluft ab, die natürlich aus dem Humidor abgeführt werden müssten. Nur wenn der Tabak “atmen” könne, sei eine korrekte Zigarrenlagerung möglich und die Gefahr eines entstehenden Muffgeruchs im Humidor reduziert.
So oder ähnlich lauten zahlreiche “Empfehlungen”, die vor allem im Internet unterbreitet werden. Derartige Ratschläge sind mit Abstand der grösste Unsinn unter den Empfehlungen zur Zigarrenlagerung. Hier wird das Unvermögen marktüblicher, passiv befeuchteter Humidore, nämlich die relative Feuchte tatsächlich nicht konstant halten zu können, als Grund für die Notwendigkeit einer regelmässigen Lüftung herangezogen und der Zigarre auch noch der Metabolismus eines Säugetiers zugeschrieben.
Bestücken wir einen extrem dicht schliessenden Humidor mit Zigarren und messen nach rund vier Wochen in dem prallgefüllten Behältnis, ohne es in dieser Zeit auch nur einmal geöffnet zu haben, den Sauerstoffpartialdruck (also den Sauerstoffanteil der Luft), so stellen wir fest: Im Gegensatz zu der Umgebungsluft ist er nicht messbar gesunken. Das ist bemerkenswert, denn laut weitverbreiteter Vorstellung, die sich bei einigen zigarrerauchenden Zeitgenossen zum Mythos ausgeformt hat, “atmen” ja die Zigarren, will heissen, sie verbrauchen Sauerstoff, gasen zudem selbst aus (Ammoniak). Wäre das gegeben, müsste das in einem geschlossenen Luftvolumen zu einem sinkenden Sauerstoffpartialdruck führen. Das ist aber nicht der Fall. Es ist richtig, dass der Tabak zum Reifen Sauerstoff benötigt. Es ist auch richtig, dass der Tabak Ammoniak ausgast. Es ist jedoch rundweg falsch, diesen Prozess als Argument für die Notwendigkeit einer regelmässigen Lüftung anzuführen.
Entzöge man dem Tabak jeglichen Sauerstoff, würde er faulen. Das ist aber in einem Humidor, selbst wenn er über ein Jahr geschlossen bliebe, vollkommen unmöglich, weil noch immer so viel Sauerstoff vorhanden ist, dass die Zigarren ihn niemals “verbrauchen” könnten. Das Gegenteil ist der Fall: Häufiges Lüften führt zur “Aromenflucht”, so dass die Zigarren nach kurzer Zeit regelrecht “flach” und somit langweilig in der Nase sind.
Der Grund für die “Lüftungsempfehlung” liegt im Unvermögen der meisten Humidore, eine konstante relative Feuchte zu halten, ohne die Luft zu überfeuchten, wenn der Humidor über längere Zeit geschlossen bleibt, sowie in den konstruktiven Mängeln (etwa mangelhafte Luftzirkulation) oder der Verwendung falscher Materialien (was zu einem muffigen Geruch im Humidor führen kann). Ist einmal der Muffgeruch präsent, muss natürlich gelüftet werden – einerseits, um die zu hohe Luftfeuchte zu reduzieren, und andererseits, um den Mief aus dem Humidor herauszubekommen.
Wer einen intelligent gebauten Humidor sein eigen nennt, zudem auf eine konstante relative Feuchte achtet, kann sich das kontraproduktive Lüften sparen, denn dann geht es den Zigarren darin hervorragend.”

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